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Weil ich noch nicht gestorben bin

Was das Sterben betrifft, machen sich aktuell zwei Vorstellungen breit. Die eine, wahrscheinlich jüngere, geht davon aus, dass man den eigenen Tod nicht erleben kann. Man erlebt den letzten, den allerletzten Augenblick, bevor das Leben endet. Ob dieser Augenblick den Himmel oder die Hölle bedeutet, hat man vielleicht nicht immer in der Hand, aber man kann versuchen, so zu leben, als wäre jeder Augenblick der letzte. Wenn man dieses Leben in Frieden und glücklich verlassen will, sollte man also versuchen, jeden Augenblick in Frieden zu leben und mit solchen Gedanken unterwegs zu sein, die einen lächeln lassen.

Die andere Vorstellung ist vermutlich älter und darin ist Sterben etwas, dass sich nur in sozialen Zusammenhängen vollzieht. Man ist für die anderen Menschen tot, die mit einem gelebt haben. Sie tragen einen zu Grabe und verabschieden sich. Vielleicht lebt man für sie in ihren Gedanken weiter. Auch für einen selbst endet das Leben in diesen sozialen Zusammenhängen. Aber es geht in anderen Zusammenhängen weiter, ohne Erinnerung oder Wissen um die anderen Leben. Wahrscheinlich in einem Paralleluniversum. Es könnte wieder von vorn beginnen, was mir im Moment am plausibelsten erscheint oder in jeder beliebigen Lebensphase einsetzen, was aber einige zusätzliche Fragen aufwirft.

Es könnte sein, dass beide Vorstellungen sich irgendwann ergänzen oder eine dritte hinzukommt. Sterben werde ich aber auf jeden Fall. Wie es dann wirklich ist, wird mit meinen Vorstellungen nicht mehr viel zu tun haben aber überraschen wird es mich auch nicht können, denn dafür müsste ich ja weiter leben und dann wäre ich nicht gestorben. Und weil ich noch nicht gestorben bin, lebe ich noch heute. Soviel ist schon mal Fakt.

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