Sie kümmert sich
Wir waren irgendwo zwischen Atlantik und Rhein unterwegs und ich hatte kein Geld. Aber ich hatte einen Führerschein und eine Visa-Karte. Für jede Stunde fahren bekam ich fünf Mark und wenn ich die Kneipenrechnung mit der Visa-Karte zahlte, bekam ich die jeweiligen Anteile in bar. Wir zelteten auf Bauernhöfen ("Camping a la ferm"). Nur einmal übernachteten wir ein paar Tage in einer Pension, um unsere Sachen zu trocknen. Es regnete in den drei Wochen ständig. Ich schlief mit meinem alten Freund Axel in einem Zelt. In einer Nacht konnte er nicht schlafen, weil ich (angeblich) so laut geschnarcht hätte, setzte sich ins Auto und hörte Kassetten. Am nächsten Morgen war die Batterie alle.

Ich war Student, bekam BAFöG und zahlte immer nur zwei Prozent meiner Kreditkartenrechnung. Meine ganze noch verbleibende Studienzeit habe ich den Kredit abbezahlt. So hatte ich noch lange etwas von diesem Urlaub. Vor allem die Rückreise schlug noch einmal ordentlich zu Buche. Vor der Abreise waren wir noch mal tanken. Die Tankstelle hatte schon ein modernes elektronisches Kartenterminal, während sonst noch diese Ratschen mit drei Durchschlägen im Einsatz waren. Wir fuhren noch mal zurück, weil uns der Betrag astronomisch überhöht schien. Es stellte sich heraus, dass ich das Zehnfache der Rechnung bezahlt hatte, weil der Tankwart auf die Doppelnull-Taste geraten war. Zürückbuchen konnte er nicht und zahlte mir der überzahlten Betrag in französischen Franc einfach aus. Am letzten Tag!
Inzwischen ist aber alles abgezahlt und ich bin schuldenfrei. Auch der Darlehensteil des BAFöG ist natürlich lange zurückgezahlt. Der Brockhaus ist abgezahlt und das Auto. Meine schöne Frau verdient das Geld und versucht es zusammenzuhalten. Außerdem hat sie drei sehr besondere Kinder geboren und ist ihre Mutter. Und sie kümmert sich. Damit ich schlafen kann.
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